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Brückenklasse

Die Brückenklasse der Waldorfschule stellt ein wunderbares Bindeglied zwischen der unbeschwerten Kindergartenzeit und dem strukturierten Schulalltag dar. Sie ist als ein schützender Raum konzipiert, der Kindern, die schulpflichtig, aber in ihrer Gesamtentwicklung noch ein wenig Zeit benötigen, eine positive und sanfte Vorbereitung auf die erste Klasse ermöglicht. Statt eines verfrühten Leistungsdrucks steht hier das ganzheitliche Reifen des Kindes im Vordergrund, orientiert an den anthroposophischen Grundlagen der Waldorfpädagogik.
Ein wesentlicher Vorteil der Brückenklasse liegt in der harmonischen Verbindung von Bewegung, Rhythmus und Sinnespflege.

Im Alter von etwa 6 Jahren vollzieht sich im Kind ein großer Übergang: Die Phase des freien, nachahmenden Spiels wandelt sich langsam in die Fähigkeit zur bewussten Konzentration. Die Brückenklasse fängt diesen Übergang behutsam auf. Durch einen festen, rhythmisch gestalteten Tages- und Wochenablauf erfahren die Kinder Sicherheit und Orientierung. Künstlerische Tätigkeiten wie Aquarellmalen, Plastizieren mit Bienenwachs, Imkerei Epochen, Eurythmie sowie das tägliche Singen und Erzählen von Märchen sprechen die Gefühlswelt des Kindes an und wecken die Lust am Lernen. Gleichzeitig wird der Körper als ein wichtiges Werkzeug für das spätere kognitive Lernen gestärkt. Ausgiebige Bewegung in der Natur, dem Bewegungsraum (nach dem Hengstenberg-Prinzip), Geschicklichkeitsspiele, Reigen und handwerkliche Arbeiten fördern die Fein- und Grobmotorik, das Gleichgewicht und die Raumorientierung. Diese körperlichen Fähigkeiten bilden das biologische ganzheitliche Fundament für späteres Erlernen von Lesen, Schreiben und Rechnen.

Auch in sozialer Hinsicht leistet die Brückenklasse Wertvolles. Die Kinder lernen in einer festen Gemeinschaft, sich auf andere einzustellen, Regeln zu akzeptieren und kleine Aufgaben eigenverantwortlich zu übernehmen. Da die Gruppe kleiner ist als eine Schulklasse, können die Pädagogen jedes Kind in seiner Individualität wahrnehmen und gezielt dort unterstützen, wo noch Reifungsschritte ausstehen – sei es in der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit, der Ausdauer oder der emotionalen Stabilität.

Wenn die Kinder nach diesem Übergangsjahr in die erste Klasse wechseln, tun sie dies nicht mit Ängsten, sondern mit einem gestärkten Selbstbewusstsein und einer gesunden Neugier.
Die Brückenklasse schenkt ihnen das kostbarste Gut für ihre Bildungsbiografie: Zeit, um in der eigenen Mitte anzukommen und die Schulfähigkeit aus eigener Kraft voll auszubilden.
So wird der Schulstart zu einem freudigen und getragenen Neubeginn.

„Nicht alle Kinder lernen das Gleiche zur gleichen Zeit auf die gleiche Weise.“
Kathy Walker

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